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Pinkelstadt - Das Musical

Mag die Thematik „öffentliches Pinkeln“, für die dieses Musical steht, zunächst
trivial, „sinnfrei“ und zum Teil sogar oberflächlich erscheinen – beim näheren
Hinschauen und Zuhören wird schnell deutlich, wie kritisch und tiefgründig dieses
Stück in Hinblick auf gesellschaftliches Leben, ethische Fragen und aktuelles
politisches Geschehen eigentlich ist.

Vordergründig handelt es sich hier um eine witzige Persiflage auf verschiedene
Musicalgattungen und -highlights wie z.B. „Les Miserables“ oder „Westside Story“.
Hinter Übertreibung und Überzeichnung verbirgt sich jedoch auch ein „Pulverfass“
an Kritik - Kritik, die hoch aktuell ist!

Mag Wasserknappheit derzeit noch kein tagespolitisches Thema in unseren
Breitengraden sein, so sind Experten doch der Meinung, dass uns in Verbindung
mit der raschen Klimaveränderung innerhalb der nächsten zwanzig Jahre ein
Ressourcenkampf bevorsteht, der die Welt „an den Rand der Anarchie bringen
könnte“.

Wenn in „Pinkelstadt“ der eiskalte GmbHarn & Klo-Manager Werdmehr von
Mehrwert als Rechtfertigung für seine Ausbeutungspolitik angibt, dass
„Umweltkatastrophen globalen Ausmaßes dazu neigten, Menschen zu verändern“
und weiter ausführt, dass seine Ausbeutungspolitik Erfolg habe und „die Pisse von
der Straße gehalten wird und das Grundwasser im Grund bleibt“, dann wird ein
Stück der Gefahr deutlich, die die Welt bald ereilen wird bzw. die sie schon ereilt
hat - der Streit um wertvolle Ressourcen hat ja schon längst begonnen.
An dieser Stelle wäre der Kampf um Öl zu nennen, der von einer Großmacht wie
den USA, die sich an anderer Stelle gern als Weltverbesserer geben, angeführt
und gefördert wird und der schon heute viele Menschen das Leben gekostet hat
(siehe Irakkrieg).

Aber nicht nur die Ressourcenknappheit als Legitimation für Unterdrückung und
Gewalt scheint schon heute an der Tagesordnung zu sein, sondern auch die
wechselseitige Beeinflussung von Politik und Wirtschaft. Was in „Pinkelstadt“
überspitzt dargestellt wird, liegt leider nicht so fern, wie viele Menschen
annehmen. Politik- und Wirtschaftsaffären der letzten Jahre zeigen, dass viel
gemauschelt wird, und zwar nicht nur im fernen Amerika.
Mit dem zunehmenden Wohlstandsgefälle, das die Bürger Deutschlands in arm
und reich teilt, entfernen wir uns außerdem dramatisch von dem einstigen
Wunsch Ludwig Erhards nach „Wohlstand für alle“.

„Pinkelstadt“ will keine Lösungen präsentieren. Daher wird auch die andere Seite,
die „Revolution“, stark kritisiert und in Frage gestellt. Dabei geht es gar nicht
unbedingt um das gewaltsame Vorgehen, welches gemäß der „Französischen
Revolution“ im Jahre 1789 zu Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit führen soll.
Vielmehr kritisiert dieses Musical, dass es sich bei dem Wunsch nach „Liebe“,

„Freiheit“, „Gerechtigkeit“ und „(Welt)frieden“ meist um inhaltslose Phrasen
handelt, die fernab von jeglicher Realität liegen und daher ihren Zielen nicht
gerecht werden und scheitern.

Auch wenn dieses Stück nicht als Lehrstück im Sinne Brechts bezeichnet werden
kann, hat es dennoch die Absicht, zum Nachdenken und Hinschauen anzuregen
und in kleinem Stil eventuell doch etwas zu tun.

Pinkelstadt – hoch aktuell! Was meinen Sie?
-Anna Lena Eichler